Wie geht's weiter mit dem Öl?

Wie geht's weiter mit dem Öl?

4/21/2021

Der Ölpreis befindet sich trotz der ganzen Nachhaltigkeit in einem ordentlichen Aufwärtstrend. Ein Kommentar von CFO und Co-Founder Daniel Bayer.

Goldpreis und Ölpreis erleben derzeit einen Aufwärtsschub. Einige Gründe dafür sind identisch, aber vor allem bei Öl gibt es noch andere wichtige Faktoren. Gold steigt seit Dienstag in zwei Schüben von 1.724 Dollar auf aktuell 1.772 Dollar. WTI-Öl steigt seit Wochenanfang von unter 59 Dollar auf aktuell 62 Dollar.

 

Die US-Anleiherendite spielt für den Verlauf im Ölpreis (im Gegensatz zu Gold) keine Rolle, aber der schwache US-Dollar. Dies ist ein absolut wichtiger Faktor für Öl. Seit letztem Dienstag ist die negative Korrelation zwischen Öl und US-Dollar eindeutig in Charts erkennbar. Hinzu kommen steigende Nachfrage-Aussichten für Öl nach Aussagen der Internationalen Energie-Agentur, und dazu noch gemeldete fallende Lagerbestände für Rohöl in den USA.

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Eugen Weinberg von der Commerzbank erwähnt in seiner aktuellen Öl-Analyse nicht nur die guten US-Konjunkturdaten, die Hoffnung auf mehr Öl-Nachfrage bringen. Auch bespricht er die guten BIP-Daten aus China. China hat im März fast 50 Millionen Tonnen Rohöl importierte und damit 10 Prozent mehr als im Februar. Im ersten Quartal sind die chinesischen Importe im Jahresvergleich ebenfalls um etwa zehn Prozent gestiegen. Das BIP-Wachstum ist dabei vor allem wegen der niedrigen Vorjahresbasis so stark ausgefallen. Doch auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich in den USA und in China ein robustes Wachstum, was sich positiv auf die Öl-Nachfrage auswirken wird. Eugen Weinberg erwähnt auch die neuen US-Sanktionen gegen Russland, die positiv auf den Ölpreis wirken sollten. Die Sanktionen würden zwar den Ölsektor nicht direkt treffen. Sie könnten jedoch zu höheren Finanzierungskosten und einer allgemeinen Verunsicherung im Handel mit Russland führen. Erstmals wird US-Unternehmen nämlich auch der Handel mit staatlichen russischen und quasi-staatlichen Anleihen verboten, die ab Mitte Juni ausgegeben werden. Also, wir sehen derzeit ein positives Gesamtbild für einen möglicherweise weiter steigenden Ölpreis.

 

Die OPEC hat hierfür auch ihre Prognose für die Ölnachfrage im Jahr 2021 erhöht. Begründet wurde dieser Schritt mit einem Nachlassen der Pandemie sowie einer guten Zusammenarbeit der OPEC+ Staaten bei der Kontrolle der Produktion. Zudem fallen US-Lagerbestände weiter. Die OPEC sieht 2021 deshalb eine höhere Nachfrage als plausibel an und setzt dementsprechend auch Schritte.

 

Die OPEC geht nun davon aus, dass der weltweite tägliche Verbrauch um 6,6 Prozent steigen könnte. Damit ändert die Organisation ihre negative Haltung der letzten Monate hin zu einer positive Sichtweise. "Die Erholung der Weltwirtschaft setzt sich fort und wird maßgeblich durch beispiellose geld- und fiskalische Anreize unterstützt", sagte die OPEC. "Die Erholung ist sehr stark auf die zweite Hälfte des Jahres 2021 ausgerichtet."

 

Der längerfristige Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Nach unten scheint bei 57 Dollar ein Boden gefunden, nach oben ist der Future mit einer Intraday Bewegung von plus fünf Prozent und einem Schlusskurs über 62 Dollar nach oben ausgebrochen. Damit hat sich das technische Bild wieder verbessert. Aktuell hilft der schwächere Dollarkurs den Rohstoff-Futures. Auch die chinesischen Rohöl-Importe sind ungebrochen hoch und stützen die Nachfrage. Die US Lagerbestände sind auf den niedrigsten Stand seit Februar gefallen, an der Ostküste sind die Bestände sogar auf den niedrigsten Stand seit 30 (!) Jahren gefallen. All diese Faktoren sind bullish für den Crude-Oil-Future. Bei den Commitments-of-Traders-Daten halten die großen Fonds-Gesellschaften nach wie vor eine hohe Long-Position.

 

In vielen, vor allem reicheren, Ländern steigt die Bereitschaft die Subventionen für erneuerbare Energien zu erhöhen. Besonders erwähnenswert sind hier der „Green Deal“ der Europäischen Union wie auch die großzügigen Förderungen der neuen US-Administration. Allerdings bedarf es zusätzlich zur politischen Unterstützung auch der Akzeptanz der Privaten Wirtschaft. In den (ärmeren) asiatischen Volkswirtschaften wird immer noch massiv in die Erzeugung fossiler Brennstoffe investiert. Der Markt geht davon aus, dass die Nachfrage nach Öl in diesen Regionen um bis zu 25 Prozent bis in das Jahr 2040 weiter steigen könnte. Selbst in der Volksrepublik China, einem Vorreiter bei der Erschließung erneuerbarer Energiequellen, wird auch weiterhin in Kohlekraftwerke investiert. Der steigende Energiebedarf ist in erster Linie auf das Wachsen der Weltbevölkerung zurückzuführen, deren Anstieg von den Schwellenländern angetrieben wird. Es wird also noch eine Weile dauern bis die „Grüne Welle“ auch in diesen Ländern ankommt und akzeptiert wird.

 

Die Wirtschaft ist noch nicht so weit, als dass sie komplett unabhängig vom Öl agieren kann - und das ist auch in Ordnung. Trotz der ganzen Nachhaltigkeitsthematik muss man immer noch Logik walten lassen und mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. So lange die alternativen Energien nicht ausgereift genug sind, um im Alltag eingesetzt zu werden, müssen wir mit fossilen Energien arbeiten und mit diesen möglichst umweltschonend umgehen. Nicht erreichbare Ziele, welche von der Politik vorgegeben werden, sind auch keine Lösung. Wir brauchen hier die Einstimmigkeit/Abstimmung zwischen Politik und den Unternehmen. Mit den geeigneten Rahmenbedingungen und einem klaren Weg vor Augen, ist es möglich Wirtschafts- und Klimaziele zu vereinbaren. 

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