Pariser Börse: Luxusmarken sehen Ende herbei

Pariser Börse: Luxusmarken sehen Ende herbei

4/20/2021

Die Pariser Börse notiert so hoch wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die drei schwersten Werte sind jetzt erstmals Luxusaktien.

Der Pandemie überdrüssig, trösten sich die Anleger lieber mit dem Feinen und Edlen. So könnte man den Wachwechsel interpretieren, der in der vergangenen Woche an der Pariser Börse stattfand: Drittschwerster Wert ist jetzt nicht mehr der Pharmahersteller Sanofi, der an einem Impfstoff gegen Covid-19 arbeitet, sondern Hermès, der kleine, aber feine Luxuswarenhersteller mit gerade einmal 14.000 Mitarbeitern. 111 Milliarden Euro ist das Unternehmen mit den legendären Handtaschen-Modellen Jane Birkin und Kelly aus Sicht der Anleger jetzt wert. Der Eroberungsfeldzug der Luxushersteller hat mit den jüngsten Quartalsergebnissen neuen Schwung bekommen.

 

Dank der guten Verkäufe in Asien und Nordamerika haben sie die Krise schon weitgehend hinter sich gelassen. Das Internetgeschäft läuft auch immer runder, nachdem sich die Hersteller zuvor lange an den physischen Einkaufserlebnissen in ihren Markentempeln festgehalten hatten. Nicht wenige Kunden verführt das dazu, die Ausgaben für eine Auslandsreise durch den Kauf eines Premiumprodukts zu ersetzen. Die drei schwersten Werte an der Pariser Börse sind jetzt erstmals Luxusaktien: Vor Hermès liegen LVMH, die Nummer eins Frankreichs und Europas mit einem Marktwert von 321 Milliarden Euro, gefolgt vom L’Oréal-Konzern, der nicht nur Luxusmarken verkauft, aber bei einer Börsenkapitalisierung von 192 Milliarden Euro von dieser Welle profitiert. Auch der Hersteller Kering, der mit seiner Vielmarkenstrategie von Gucci bis Saint Laurent dem Erzrivalen LVMH gleicht, kommt immerhin auf 82 Milliarden Euro und liegt auf Rang sechs hinter den drei Luxus-Spitzenreitern sowie Sanofi und Total.

 

Doch nicht wenige Aktionäre wollen dem Glanz und Glitter inzwischen nicht mehr trauen. Die Bewertungen der Unternehmen haben an vielen Börsenplätzen neue Höchststände erreicht, wenn man den Zeitraum seit dem Platzen der Internetblase vor gut zwei Jahrzehnten betrachtet. Das gilt auch für den französischen Leitindex CAC40 auf dem aktuellen Niveau von rund 6350 Punkten. Die jüngeren Teilnehmer des Börsengeschäfts waren noch gar nicht berufstätig, als der Index im September des Jahres 2000 fast die Grenze von 7000 Punkten überschritt. Im Gegensatz zu anderen Börsen wie etwa der in Frankfurt hat der CAC40 den Höchststand jener euphorischen Zeit noch nicht übertroffen.

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