Robinhood: Vom Unicorn zum Meme

Robinhood: Vom Unicorn zum Meme

8/6/2021

Die Robinhood-Aktie kommt nicht zur Ruhe. Nach der Kursexplosion am eine Woche nach dem IPO wollen nun große Investoren ihre Bestände deutlich verringern. Robinhood stand vor allem im Jänner und Februar ungewollt im Fokus - jetzt ist die Aktie selbst ein Meme.

Mit einem starken Schlussspurt haben die New Yorker Aktienindizes am Donnerstag ihre Gewinne ausgebaut. Der marktbreite S&P 500 legte um 0,60 Prozent auf 4429 Punkte zu und verfehlte dabei sein erst wenige Tage altes Rekordhoch nur äußerst knapp. Die Marktstrategen der US-Investmentbank hatten zuvor bereits ihr inzwischen übertroffenes Jahresendziel für den S&P 500 von 4300 auf 4700 Punkte angehoben.

 

So hoch wie nie zuvor kletterte am vorletzten Handelstag der Woche der technologielastige Nasdaq 100, der mit plus 0,65 Prozent auf 15.181 Punkten den Handel verließ. Für den Leitindex Dow Jones Industrial ging es um 0,78 Prozent auf 35.064 Zähler hoch. Einen Tag vor dem offiziellen monatlichen US-Arbeitsmarktbericht überwiegt bei den Anlegern also die Zuversicht.

 

Analysten sagen bei den für Freitag erwarteten Zahlen für Juli den Aufbau von 870.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft voraus. Die ADP-Zahlen am Mittwoch waren deutlich unter den Erwartungen geblieben.

 

Doch im Fokus war in den letzten Tagen auch etwas anderes. Der IPO von Robinhood war die Story am Kapitalmarkt in den letzten sieben Tagen. Viele Anleger warteten gespannt auf das "going public" des Neo-Brokers. Wenig überraschend war dann aber der sehr verhaltene Kurs, der direkt nachdem die Aktie zu kaufen war über 12 Prozent einbrach. Zu beachten ist sicher auch, dass der Versuch, eine gewisse Anzahl an Aktien für die eigenen User zu reservieren gescheitert ist.

Die spannende Frage lautete: Würden Robinhood-Nutzer in Robinhood-Aktien investieren? Auf diese Frage gibt es jetzt eine Antwort: Nur sehr wenige. Denn von den insgesamt mehr als 22,5 Millionen Accounts der Trading-App haben sich nur 301.573 Nutzer im Zuge des Börsengangs von Robinhood auch Aktien des Unternehmens, von dem sie Kunde sind, gekauft. Das sind also nur 1,3 Prozent aller Nutzer.

Das viel kritisierte Unternehmen wurde in Folge des NASDAQ-IPOs von Investoren mit satten 32 Milliarden Dollar bewertet – nicht ganz so viel, wie ursprünglich geplant war, aber immerhin. Schließlich liegt die Marktkapitalisierung von Robinhood nunmehr in einer Liga mit der Deutsche Börse oder der NASDAQ selbst, die ihrerseits ebenfalls börsennotiert sind.

 

Der Kursanstieg geht der allgemeinen Einschätzung nach nicht auf Nachrichten vom Unternehmen zurück, sondern auf die Diskussionen, die in sozialen Medien über Robinhood geführt werden. Die Erwährungen sind seit Dienstag um 23'000 Prozent angestiegen. Dies hält die Analyefirma HypeEquity fest, die das Social-Media-Sentiment über Firmen untersucht. Somit dauerte es nur wenige Tage, bis die mit Meme-Stocks wie AMC oder GameStop so eng verbundene Trading-Plattform selbst ein Meme-Stock geworden ist.

 

Robinhood werde im Zusammenhang mit Schlagwörtern wie "option", "buy" oder genannt. Aber auch "put" kommt häufig vor, was darauf hindeutet, dass auch viele sinkende Kurse erwarten. In Diskussionsforen wie Reddit sind offenbar viele skeptisch, ob Robinhood an der Börse gut aufgehoben sei. Viele Trader haben ein kompliziertes Verhältnis zur Plattform, die sie selber nutzen. Robinhood hat auch immer wieder Kritik auf sich gezogen.

 

Die Robinhood-Aktie wurde am Mittwoch bei einem Kurs von 72,12 US-Dollar (+54,10 Prozent) an der US-Technologiebörse NASDAQ vom Handel ausgesetzt. Nach der Handelsaussetzung behielt die Aktie die Tendenz bei: Das Papier gewann letztlich 50,41 Prozent auf 70,39 US-Dollar. Das Tageshoch lag bisher bei bei 85 US-Dollar. Die Aktie fiel jedoch wieder um 19 Prozent und wird derzeit bei ca. 50 US-Dollar gehandelt. (Stand Freitag 06.08.2021).

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