Haben wir im Sommer eine Flaute an den Börsen?

Haben wir im Sommer eine Flaute an den Börsen?

7/2/2021

Mit den Corona-Lockerungen erholt sich auch die Wirtschaft. Doch nach den starken Kursanstiegen im ersten Halbjahr könnte eine schwächere Börsenphase kommen.

Die Börse hatte in den letzten Wochen und Monaten reichlich gute Momente. Mit vielen positiven Meldungen, einem starken Impffortschritt und schnell zurückgehenden Inzidenzwerten erlebt die Wirtschaft wieder einen Aufschwung. Man könnte fast sagen der Schrecken der letzten 1,5 Jahre verflüchtig sich langsam aber sicher. 

 

Man merkt es auch in der Bevölkerung. Wir lassen die Lockdowns mehr und mehr hinter uns. Auch die Kauflaune hat wieder zugenommen. Laut dem Konsumklimaindex haben die Verbraucher aus dem DACH-Raum seit August 2020 nicht mehr so viel Geld für Konsumgüter ausgegeben. Des Weiteren sind es auch die äußerst ermutigenden Konjunktursignale wie zuletzt vom Ifo-Geschäftsklimaindex, die immer wieder für Zuversicht unter den Aktienanlegern sorgen und Käufer an den Markt zurückholen. Dennoch muss man hierbei auch erwähnen, dass ein überproportionales Wachstum an der Börse derzeit nicht mehr zu erkennen ist. Obwohl es dem Markt auch einmal gut tut, wenn kurz verschnaufen und sich einpendeln kann. 

Dabei wird auch oft darauf verwiesen, dass gerade der DAX sein Rekordhoch von Mitte Juni nicht mehr erreichen konnte und nur noch zwischen 15.400 und 15.600 Punkten bewegt. Es fehlen hier aber auch die nachhaltigen Impulse, welche die diversen Indizesse in eine klare Richtung stoßen. 

 

Auch zwei Themen, die in den letzten Tagen immer wieder aufgekommen sind, sind die neue Delta-Variante von Covid-19 und die hohen Inflationszahlen. Dies zeigt, dass manche Unsicherheiten immer noch nicht so richtig vom Tisch sind. Die Corona-Infektionszahlen werden voraussichtlich im Herbst wieder steigen, weil die deutlich ansteckendere Delta-Variante sich ausbreitet und die seit der dritten Welle vorherrschende Alpha-Variante verdrängt. Neue Maßnahmen zur Eindämmung könnten die Erholung der Wirtschaft bremsen.

Aber auch die anhaltenden Inflationssorgen trüben die Stimmung an den Finanzmärkten. Dahinter steckt vor allem die Frage, wie lange die Unterstützung der Märkte durch die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik noch anhält. Zudem droht im Sommer und in der Ferienzeit ohnehin eine schwächere Börsenphase.

 

Denn seit dem Jahreswechsel verzeichnet der DAX bereits ein Plus von fast 14 Prozent (historisch gesehen durchschnittlich 9 % - dementsprechend ein starkes Plus). An der Wall Street erzielte der marktbreite Börsenindex S&P 500 am sogar ein neues Allzeithoch bei 4286 Punkten.

Positiv werteten Anleger hier, dass US-Präsident Joe Biden eine Einigung zu dem billionenschweren Infrastrukturpaket präsentieren konnte. Das Volumen des Investitionspakets ist zwar nicht so hoch wie ursprünglich von den Demokraten erhofft. Dennoch verspricht Biden, dass dadurch zahlreiche neue Jobs entstehen.

 

In dem Zusammenhang werden Anleger in der kommenden Woche auch auf die aktuellen Beschäftigtenzahlen aus den USA schauen. Für Juni rechnet man mit dem Aufbau von 600.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Damit fehlen aber im Vergleich zu Februar 2020 immer noch sieben Millionen Jobs. Laut der privaten US-Arbeitsagentur ADP kamen alleine im Juni 692.000 neue Jobs dazu. 

In Europa schaute man diese Woche auf die Bekanntgabe der Verbraucherpreise. Diese sind  im Währungsraum im Juni langsamer gestiegen. Wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf die schlichten Zahlen zur Inflation im Euro-Raum schaut, könnte sie eigentlich zufrieden sein. Mit der Steigerungsrate von 1,9 Prozent im Juni zum Vorjahr, die das europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung vermeldet hat, liegt die Teuerung genau im Zielbereich der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese strebt einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Diese Marke hat sie über viele Jahre lang verfehlt. Im Mai war der Wert mit 2,0 Prozent auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren gestiegen. Nun hat er sich leicht abgeschwächt.

 

Doch laut Christoph Balz (Commerzbank Volkswirt) spüren die Verbraucher in der Euro-Zone abgesehen von der teureren Energie noch keinen Preisauftrieb. Seiner Ansicht nach könnte die Kernteuerungsrate, also die Inflation ohne die volatilen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel, im Juni auf 0,8 Prozent gefallen sein. Die alle Güter umfassende Inflationsrate erwartet die Commerzbank bei 1,8 Prozent, nach 2,0 Prozent im Mai. Ähnlich sieht es Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management. Er vermutet, dass die Kerninflation in der Euro-Zone auf einem Niveau von nur etwa einem Prozent verharren dürfte. Sie sei also „kein großes Risiko“, schätzt er.

 

Auch die großen Notenbanken sehen offenbar noch keinen Handlungsbedarf. Die Bank of England bestätigte zuletzt den Leitzins bei 0,1 Prozent und änderte das Ziel ihrer Anleihekäufe nicht. Fed-Chef Jerome Powell wolle so lange an seinem Kurs festhalten, bis „erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung erreicht sind“, so Windt von der Helaba. Eine Zinswende oder ein „Tapering“, eine Reduktion expansiver Geldpolitik, der drei großen Notenbanken dürften ihrer Ansicht nach bis Herbst erst einmal vom Tisch sein. Dazu zählt auch die Europäische Zentralbank (EZB).

Mit der jüngsten Fed-Sitzung habe die US-Notenbank aber klargemacht, dass die Währungshüter gewillt seien, zeitlich angemessen auf einen Anstieg der Inflationsgefahren zu reagieren, ergänzt DZ-Bank-Analystin Birgit Henseler: „Da die Pandemie mehr und mehr unter Kontrolle gebracht wird, wird die Fed nicht nur zeitnah über eine Reduktion der Anleihekäufe diskutieren.“ Auch Leitzinserhöhungen könne sich die Mehrheit der FOMC-Teilnehmer bis Ende 2023 vorstellen. Das Federal Open Market Committee ist das Gremium in der Fed, das für kurzfristige und langfristige geldpolitische Maßnahmen verantwortlich ist.

 

Die zuletzt höheren Inflationsraten sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass Rohstoffe teurer geworden sind. Insbesondere der Ölpreis ist kräftig gestiegen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet derzeit so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht. Daher lohnt sich auch ein Blick auf die Beratungen der Organisation Erdöl exportierender Länder und der weiteren mit ihr verbündeten Länder (Opec plus). Die „Opec plus“ hat die Ölpreise am Donnerstag angetrieben. Das um Verbündete wie Russland erweiterte Kartell will die Förderung ab August lediglich graduell ausweiten.

 

In kurzen Worten zusammengefasst. Indikatoren wie Öl und Kupfer zeigen einen weiter anhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Gerade Gold hat in den letzten Wochen stark verloren, nimmt aber durch die leichten Verunsicherungen am Markt wieder zu. Dennoch, es eine kurze Verschnaufpause tut dem Markt sicher einmal gut. Somit sollte man sich auch nicht zu sehr verängstigen lassen, wenn sich die Kurse seitwärts bewegen - das ist normal. Ein kleines Sommerloch werden wir sicher erleben, aber in anbetracht des rasanten Anstieges, ist es eine positive Entwicklung. Die Börse soll sich wieder einmal einpendeln können. 

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