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Amazon

Lieber Leser, mit großer Wahrscheinlichkeit hast auch du schon einmal bei dem weltweit größten Einzelhändler eingekauft. Die Rede ist von Amazon. Bei Amazon kann man „so ziemlich alles“ kaufen. Deshalb wird Amazon von der Presse auch häufig liebevoll der „Allesverkäufer“ genannt. Angefangen hat alles als ein Onlinebuchhandel. Heute gehört die Amazon Aktie zu den größten Gewinnern der Corona- Krise. Die Amazon Aktie konnte demnach seit Mitte März 2020 um rund 90% zulegen. Im Folgenden möchten wir gerne der Frage nachgehen: Ist Amazon noch immer unterbewertet? Ist Alibaba eine ernstzunehmende Gefahr für Amazon? Du erfährst es in dieser Analyse! Viel Spaß!

 

 

Amazon Tabelle

 

Amazon – Die Story in aller Kürze

1994:     Der Informatiker Jeff Bezos gründet Amazon als Onlinebuchhandlung

1995:     Im Juli 1995 wurde auf Amazon.com das erste Buch verkauft

1997:    Börsengang

1998:     Übernahme des Konkurrenten Telebook Inc. Im April 1998 ist Amazon in den deutschen Markt eingetreten

2004:     Übernahme des chinesischen E-Commerce Webseite JOYO

2005:     Start von Amazon Prime in den USA.

2006:     Launch von Amazon Web Services

2007:     Start von Amazon Pay. Pilotprojekt Amazon Fresh wird in der Heimatstadt Seattle gestartet. Gleichzeitig kam der Kindle auf den Markt. Die Ideologie dahinter: Jedes Buch von überall auf der Welt in 60 Sekunden verfügbar zu machen.

2008:     Übernahme von Audible für 300 Mio. USD.

2009:     Übernahme von Zappos, einem Zalando- Konkurrenten für 850 Mio. USD

2010:     Eröffnung von Amazon Studios.

2011:     Übernahme von The Book Depository Ltd., damals die größte Onlinebuchhandlung Großbritanniens. Start von Amazon Prime Video und erstes Fire- Tablet kommt auf den Markt. Zudem Übernahme von Quidisi für 500 Mio. USD und Love Film für 312 Mio. USD

2012:      Amazon Web Services ist auch für private Kunden erhältlich. Zudem noch Übernahme Kiva Systems, einen Anbieter für Lagerhaus-Automation, für 775 Mio. USD

2013:     Start von Prime Now in New York

2014:     Amazon bringt den Fire- TV- Stick auf den Markt. Start von Amazon Smile. Übernahme der Live- Streaming – Plattform Twitch für 970 Mio. USD

2015:     Amazon Echo kommt auf den Markt. Zudem erster Prime Day. Außerdem Übernahme von Annapurna Labs für 370 Mio. USD

2016:     Erste Lieferung durch Drohne in Cambridge, UK

2017:     Übernahme von Whole Foods für 13,7 Milliarden USD. Zudem Übernahme von souq.com für 580 Mio. USD. Start von Amazon Fresh in Deutschland.

2018:     Amazon Go

Heute ist Amazon der größte Einzelhändler der Welt. Das Unternehmen beschäftigt rund 781.000 Mitarbeiter. Die Produkte sind auf der ganzen Welt erhältlich.

 

Amazon Produkte& Segmente

Im Folgenden werden die Produkte von Amazon kurz vorgestellt:

Amazon Produkte

  1. Amazon Websites: E-Commerce- Webseite
  2. Amazon Webservices: Cloud- Dienste
  3. Prime: Premium Services im Abo- Modell
  4. Amazon Music: Musik Streaming Dienst
  5. Fire TV& Tablets: Hardware Produkte
  6. Echo und Alexa: Sprachassistent
  7. Kindle: E-Book- Reader

 

Zudem erweitert Amazon sein Produktportfolio stetig durch neue innovative Akquisitionen. Nachfolgend haben wir für Dich die größten Zukäufe chronologisch aufgelistet:

  1. Whole Foods – 13,7 Milliarden USD (Weltweite #1 Biosupermarktkette)
  2. Zoox – 1,2 Milliarden USD (Entwickler für autonomes Fahren)
  3. Ring – 1,2 Milliarden USD (Smart- Home- Technologien)
  4. Zappos – 1,2 Milliarden USD (Onlinehandel für Schuhe und Mode)
  5. Pill Pack – 1 Milliarde USD (Online- Apotheke)
  6. Twitch – 970 Millionen USD (Live- Streaming)
  7. KIVA Systems, heute Amazon Robotics – 775 Millionen USD (Mobile- Roboter für Logistikzentren)
  8. com – 580 Millionen USD (Souq.com ist heute das arabische Amazon)
  9. com – 500 Millionen USD (Anbieter von Babyprodukten)
  10. Annapurna Labs – 370 Mio. USD (soll AWS im Bereich der Mikroelektronik weiterhelfen)
  11. Audible – 300 Mio. USD (Onlineplattform für Hörbücher)

 

Amazon berichtet aktuell in über drei Segmente. Erstens das Segment Nordamerika. Dort werden alle Umsätze gebündelt, die in Nordamerika erzielt werden. Zweitens das Segment „International“. Dort werden alle Umsätze erfasst, die außerhalb Nordamerikas erzielt werden. Drittens das Segment AWS. Dort werden alle Umsätze erfasst, die mit den Amazon Web Services erzielt werden.

 

Management- Amazon wird auch mehr als 25 Jahren nach der Gründung noch von Jeff Bezos geleitet

Amazon Ceo

Nach wie vor wird das Amazon Imperium von dem Gründer Jeff Bezos geleitet. Von 1982 bis 1986 studierte er an der Princeton University Elektrotechnik und Informatik. Dabei schloss er sein Bachelor- Studium mit Bestnote ab. Seine berufliche Karriere startete er bei dem taiwanischen Mobilfunkanbieter FITEL. Nach einigen Jahren wechselte Bezos zu der New Yorker Vermögensverwaltung D. E. Shaw & Co. Dort lernte er auch seine Ex-Frau und Mutter seiner Kinder Mac Kennzie kennen. Gemeinsam mit dessen Inhaber entwickelte Bezos die Idee nach einer Onlinebuchhandlung. Im Jahre 1994 kündigte Bezos sein Arbeitsverhältnis bei der Vermögensverwaltung um alleine Amazon zu gründen. Zudem gründete Bezos um die Jahrtausendwende das Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Außerdem kaufte Bezos im Jahr 2013 die Washington Post für rund 250 Mio. USD. Im Januar 2019 gab das Paar seine Scheidung bekannt. Jeff Bezos ist aktuell der reichste Mensch der Welt. Sein Privatvermögen wird auf rund 190 Milliarden USD geschätzt. 

 

Jeff Bezos ist noch immer größter Einzelaktionär von Amazon

Amazon Aktionäre

 

Der Grund, warum Jeff Bezos aktuell der reichste Mensch der Welt ist liegt auf der Hand. Er hält noch immer rund 11% der Amazon Aktien selbst. Er profitiert somit von dem enormen Wachstum des Onlineeinzelhändlers. Seine Ex-Frau hält aktuell rund 4% der Amazon Aktien.

 

Branchenüberblick

a.)   Retail

Amazon Branche

 

Die obige Grafik zeigt die Macht von Amazon. Amazon hat aktuell einen höheren Marktwert als alle Top-10 Einzelhändler der USA zusammen. Der Marktanteil liegt bei 39%. In Deutschland liegt der Marktanteil von Amazon.de Statistiken zur Folge bei 19%.

 

a.)   AWS

Amazon Branche Cloud

Der Marktanteil von Amazon Webservices am Gesamtmarkt für Cloud- Services liegt aktuell bei 41,5%. Somit ist Amazon auch hier Marktführer.

 

Umsatz

Amazon Umsatz

Amazon ist eine Wachstumsmaschine. Amazon konnte den Umsatz in den vergangenen zehn Geschäftsjahren kontinuierlich erhöhen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 280,5 Milliarden USD erzielt. Das Unternehmen ist auf Wachstum fokussiert. Das Umsatzwachstum pro Jahr ist jedoch leicht rückläufig. Die Corona- Pandemie wird aller Voraussicht nach für einen Turnaround sorgen. Analysten rechnen demnach für das laufende Geschäftsjahr mit einer Erhöhung der Umsatzwachstumsrate. In den letzten zehn Geschäftsjahren konnte Amazon den Umsatz pro Jahr im Schnitt um 27,6% steigern.

Im zweiten Quartal 2020 hat Amazon insgesamt einen Umsatz von 88,9 Milliarden USD erzielen können. Dies entspricht einem Plus von satten 40% zum Vorjahreszeitraum.

Noch immer ist Amazon stark von dem heimischen Absatzmarkt abhängig. So werden aktuell rund 62% der Umsätze mit dem Segment „Nordamerika“ erzielt. Das liegt vor allem daran, dass Amazon ein Produkt der westlichen Welt ist. Die Emerging Markets wie China, Indien und Russland haben mit Alibaba und co. Ihre eigenen Pioniere.

Schauen wir uns in einem nächsten Schritt noch an, wie sich die Umsätze nach Geschäftsbereichen verteilen lassen:

 

Amazon Umsatz Bereich

 

Demnach generiert Amazon aktuell etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes mit dem Eigenhandel auf den Amazon- Webseiten wie amazon.com, amazon.de etc. Rund 19,2% wird aktuell mit dem Amazon Marketplace, wie Amazon FBA erzielt. Amazon kassiert von seinen Händlern zum einen eine feste monatliche Grundgebühr und zum anderen eine variable Gebühr pro Artikel. Dafür können die Händler ihre eigenen Inserate auf den Webseiten von Amazon anbieten. Dafür profitieren die externen Händler von dem enormen Traffic der Amazon- Websites.

Das Cloud- Geschäft trägt aktuell rund 12,5% zum gesamten Umsatz bei. Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, ist Amazon auf den Gebieten der Cloud- Services weltweiter Marktführer. Des Weiteren tragen die Abo- Services, wie Amazon Prime und co. Rund 7% zum Umsatz bei. Mit Amazon Go betreibt Amazon mittlerweile auch physische Geschäfte. Diese tragen aktuell rund 6% zum Umsatz bei. Hardware- Produkte tragen rund 5% zum Umsatz bei.

 

Analyse der Profitabilität – Amazon wird von Jahr zu Jahr profitabler

Amazon Ertrag

Das obige Diagramm zeigt die historische Entwicklung des EBIT und der operativen Marge. Im vorherigen Kapitel „Umsatz“ haben wir Dir grafisch dargestellt, dass das Umsatzwachstum rückläufig ist. Gleichzeitig steigt aber auf der anderen Seite die Profitabilität von Amazon. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen mehr und mehr gelernt, seine Kosten und Investitionen in Forschung und Entwicklung effizient zu managen. Die Mühen haben sich bezahlt gemacht. So konnte wie bereits erwähnt nicht nur die Umsätze kontinuierlich gesteigert werden, sondern auch das operative Ergebnis erhöht werden. Die operative Marge liegt aktuell bei 5,2%. Analysten zur Folge hat Amazon den Grundstein dafür gelegt, dass die operative Marge auch in den kommenden Geschäftsjahren weiter erhöht werden kann, ohne das Wachstum zu gefährden.

 

Einige von Euch fragen sich jetzt sicherlich, was erzählen die uns hier? Die Analysten bejubeln eine operative Marge von 5,2%? Was ist da los? Um die Antwort auf diese Frage vorweg zu nehmen muss man sich den gesamten Wertschöpfungsprozess von Amazon etwas genauer anschauen. Das Geschäftsmodell von Amazon ist sehr kapitalintensiv. Die angebotenen Waren müssen eingekauft, gelagert, verpackt und ausgeliefert werden. Das erfordert viel Kapital und Nerven ;P. Bei Unternehmen wie Mastercard oder Visa kann im Gegensatz dazu eine operative Marge von über 50% erzielt werden, da es viel weniger Kapital und vor allem Personal benötigt, um Umsatz zu erzielen.

Schauen wir uns in einem nächsten Schritt noch die historische Entwicklung der Kapitalrenditen etwas genauer an:

 

Amazon Kapitalrenditen

Die obige Übersicht zeigt. So richtig profitabel agiert Amazon erst seit 2015. Seitdem sind auch wirklich alle drei von uns ausgewählten Indikatoren positiv. Dennoch erreichen sie nicht unseren persönlichen Korridor. Die Eigenkapitalrendite liegt aktuell bei 22%. Also unterhalb unserer 25%- Grenze. Der Retun on Capitel Employed liegt folglich bei rund 13%.

 

Amazon Bilanzanalyse

Amazon Bilanz

Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei rund 27%. Über dem Durschnitt der vergangenen fünf Geschäftsjahre. Folglich liegt der Grad der Verschuldung aktuell bei 262%. Unserer Ansicht nach ist dieser Wert etwas zu hoch. Rechtfertigen kann sich Amazon aber mit dem im vorherigen Kapitel beschriebenen hohen Kapitalbedarf. Das Verhältnis aus der Nettoverschuldung und dem operativen Ergebnis liegt aktuell bei sehr guten 1,4x.

Der Piotroski F-Score liegt bei durchschnittlichen 6 von 9 Punkten. Der Altman Z-Score bei 7,2. Also im sicheren Bereich.

 

Ist die Amazon Aktie noch immer fair bewertet?

Amazon Chart

Der Kursverlauf der vergangenen zwölf Monate zeigt eine sehr positive Entwicklung der Amazon Aktie. Getrieben von der hohen Nachfrage nach Online- Shopping und den überdurchschnittlichen Zahlen konnte die Aktie von einem Hoch zum nächsten klettern. Mitte März wurde dann das 52- Wochen-Tief bei 1.626 USD erreicht. Die Corona- Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen machten in vielen Bereichen Online- Shopping alternativlos. Die Marktstellung Amazons verhalf es der Aktie in den vergangenen Monaten weitere Hochs zu erreichen. Am 03.09.2020 wurde schließlich das letzte Hoch bei 3.550 USD erreicht. Seitdem befindet sich die Amazon Aktie in einer leichten Korrektur. Grundsätzlich kann aber geschlussfolgert werden, dass sich die Amazon Aktie noch immer in einem Aufwärtstrend befindet.

Die Amazon Aktie notiert aktuell rund 10% unterhalb des Hochs vom 03.09.2020. Zudem kann gesagt werden, dass sich die Amazon Aktie aktuell rund 13% oberhalb des gewichteten Schnitts der vergangenen 200 Tage befindet. Der RSI liegt aktuell bei 52,8. Dieser Indikator befindet sich aktuell im neutralen Bereich. Der MACD- Indikator befindet sich aktuell unter null, ist aber im Aufwärtstrend. Die Signallinie ist aber über der Triggerlinie. Dies kann aber als positiv betrachtet werden.

 

DCF- Modell (Analyse)

Das nachfolgende Diagramm zeigt eine Übersicht über den fairen Wert der Amazon Aktie unter Anwendung mehrerer Discounted- Cashflow- Methoden:

 

Amazon Fair Value

Unserer Meinung nach ist in der Amazon Aktie zum Zeitpunkt der Bewertung noch Potenzial vorhanden.

In einem nächsten Schritt wird anhand der operativen Marge dargestellt, wie profitabel die einzelnen Segmente sind:

  • Nordamerika: 3,9%
  • International: 1,5%
  • AWS: 31,1%

 

Die Übersicht zeigt: Die operative Marge wird im Versandhandelsgeschäft durch die hohe Kapitalintensität gedrückt. Das Cloud- Geschäft beweist sich hingegen als überaus profitabel.

 

Amazon versus Alibaba- Wer ist aktuell auf der Pole Position?

Der folgende Peer Group Vergleich zeigt einen fundamentalen Vergleich zwischen Amazon und Alibaba:

Amazon Tabelle 2

Das Duell gegen Alibaba hat Amazon leider verloren.

 

Was wäre, hätte man mal "damals" Amazon Aktien gekauft?

Im Folgenden möchten wir Dir zeigen, welche Summe heute aus einem Investment in Amazon geworden wäre:

1 Monat:             979 USD
6 Monate:          1.542 USD
1 Jahr:                 1.748 USD
3 Jahre:               3.230 USD
5 Jahre:               5.760 USD

 

Amazon Aktie – Stärken und Schwächen

Stärken

  • #1 Online- Einzelhändler der Welt
  • CEO Jeff Bezos
  • Positive Fundamentaldaten und optimistische Prognosen für die kommenden Geschäftsjahre
  • Corona- Pandemie

 

Schwächen:

  • Umsatzwachstumsrate p.a. rückläufig
  • Hohes KGV
  • Verlierer des Duells gegen Alibaba

 

Abschließende Betrachtung – Amazon ist noch lange nicht am Ende!

Die Amazon Aktionäre haben in den letzten Jahren ihren eigenen „Amazon Dream“ durchlebt. Der Trend hin zum Onlineshopping und zum Cloud- Computing ist nicht erst seit Corona voll in Mode. Folglich jagte die Amazon Aktie von Hoch zu Hoch. Die Fundamentaldaten sind sehr stark. Wachstum wird auch in den kommenden Jahren für Amazon an erster Stelle stehen. Folglich ist eine Dividende in naher Zukunft eher unwahrscheinlich. Die hohe Bewertung kann mit dem hohen Potenzial, das in Amazon steckt, durchaus gerechtfertigt werden. Wir werden die Amazon Aktie weiter für Dich beobachten und bei Veränderungen auf dem Laufenden halten.

 

Viele Grüße und bis zur nächsten Analyse!
Dein Luigi Chiarlitti